Josef Pejša: Legende (nicht nur) der tschechischen Zucht von Discusfischen | Gespräche über die Wasseroberfläche
Heutige Aquarianer verfügen über eine Technik, von der ihre Vorgänger nicht einmal träumen konnten. Dennoch entstanden gerade in Zeiten der Not, als die Becken aus Gurkenflaschen hergestellt wurden und Fische in Wassertanks für Scheibenwischer über die Grenzen geschmuggelt wurden, die größten Züchterlegenden. Eine davon ist Josef Pejša. In unserem Gespräch wird er uns auf eine faszinierende Reise von den ersten Guppys in fünf Liter „Elementen“ bis hin zu absolutem Sieg in der königlichen Disziplin – der Züchtung von Diskusfischen – mitnehmen. Wie entsteht weltweiter Erfolg aus purer Improvisation und lebenslanger Leidenschaft?
In der nächsten Folge der Serie Gespräche über die Wasseroberfläche begrüßen wir eine Persönlichkeit, die in tschechischen Aquaristik-Kreisen nicht lange vorgestellt werden muss. Josef Pejša ist ein Mann vieler Talente – von sportlicher Kynologie über die Zucht von Ziervögeln bis hin zur Zucht von Brieftauben. Sein Herz und seine lebenslange Hingabe gehören jedoch vor allem der Aquaristik und der „königlichen Disziplin“: Zucht von Diskusfischen (Symphysodon).
Rückkehr in der Zeit: Einfallsreichtum über Gold
Die heutige Generation von Aquarianern, die an Spitzentechnologie und maßgeschneiderte Klebe-Aquarien gewöhnt ist, kann sich nur schwer die Bedingungen vorstellen, unter denen Herr Pejša anfing. Seine erste Erfahrung mit Guppys kam bereits im Alter von fünf Jahren. Der damalige Markt bot jedoch fast nichts.
- Mangel an Aquarien: Häufig wurden Guss-Aquarien (sog. Elementkästen) mit einem Volumen von 5–10 Litern verwendet, die sehr zerbrechlich waren, und wenn sie beschädigt wurden, konnten sie nicht mehr repariert werden.
- Hausgemachte Produktion: In größeren Aquarien wurden geschweißte Rahmenkonstruktionen hergestellt, in die die Züchter selbst Glasscheiben einsetzten.
- Improvisation mit Flaschen: Für die Zucht von Lebendgebärenden wurden häufig drei-Liter-Glasflaschen von Gurken verwendet.
Die Flaschen wurden mit einer Flamme und einem Alkoholfaden zugeschnitten. Die Kanten wurden dann mit einer Feile abgeschliffen oder mit einem Gummischlauch geschützt,
- Filterherausforderungen: Das Fehlen einer leistungsfähigen Filtration bedeutete, dass die Zucht von Fischen, die den Boden durchwühlen (z.B. mittelamerikanische Cichliden), nahezu unmöglich war. In trüben Wasser waren sie zudem kaum sichtbar.
Der Weg zu den Diskusfischen über Skalare und die DDR
Obwohl Josef Pejša heute als anerkannter Richter und erfolgreicher Teilnehmer, der in der Kategorie Diskus mehrfach den Titel des Gesamtsiegers gewonnen hat, gilt, war seine erste große Liebe die Skalare. Bereits im Alter von 13 Jahren züchtete er erfolgreich und fuhr mit dem Zug zum Verkauf in Zoohandlungen in Tábor oder Písek – oft nur in Behältern mit Wasser „aufgeblasen mit dem Mund“ anstelle von Sauerstoff.
Die ersten Diskusfische kamen um 1970 aus der DDR zu uns. Es war tatsächlich ein abenteuerlicher Weg.
Die Aquarianer transportierten sie in Wasserbehältern zu den Grenzkontrollen. Als die Zöllner darauf aufmerksam wurden, kippten sie die Fische an der Grenze in den Kanal,
beschreibt die damalige Realität Herr Pejša. Wenn der Import offiziell war, überlebten die Fische oft nicht die vorgeschriebene Quarantäne.
Die Kunst der Zucht: Warum sind Diskusfische ein „Langstreckenlauf“?
Herr Pejša betont im Gespräch den Unterschied zwischen der Zucht von Lebendgebärenden und Diskusfischen. Während man bei Lebendgebärenden das Ergebnis dank des schnellen Generationszyklus nahezu sofort sieht, dauert eine Generation bei Diskusfischen etwa ein Jahr. Bei der Zucht konzentriert man sich heute auf:
- Blutauffrischung: Die Verwendung von Importen aus der Natur zur Stärkung von Wachstumsfähigkeiten und elterlichen Instinkten.
- Eliminierung von Inzuchtdepression: Herr Pejša fügt hinzu
Geschwister untereinander züchte ich heute praktisch nicht mehr. Dies führt zu einer Verringerung der Fruchtbarkeit und Vitalität.
- Genetische Selektion: Die erste Generation (F1) aus der Kreuzung von Wildfischen und gezüchteten Formen sieht oft schlechter aus aufgrund einer verstärkten unerwünschten Melanin- und Fleckenbildung. Die Stabilisierung der Form erfordert Jahre der Selektion und Rückkreuzung.
Familientradition und die Zukunft des Fachs
Die Beziehung zu Fischen liegt Josef Pejša im Blut. Sein Vater und Großvater waren professionelle Fischer und ihre Arbeit an der Zucht von Karpfen hinterließ Spuren im Genpool, der bis heute im Forschungsinstitut erhalten bleibt. Herr Josef Pejša selbst hat nach Jahren der Leitung einer Fischzucht nahtlos zur professionellen Aquaristik gewechselt.
Obwohl er versuchte, auch seine Kinder für das Fach zu begeistern, stellt er fest, dass die Leidenschaft für die Aquaristik nicht erzwungen werden kann.
Heute ist es eher die Ausnahme, wenn jemanden so tief interessiert. Eine Frau in diesem Bereich wirkt zudem immer noch etwas exotisch
schließt er mit einem Lächeln.
Hat Sie die Geschichte des weltbekannten Diskuszuchtmeisters Josef Pejša fasziniert? Folgen Sie unserem Portal, bald bringen wir Ihnen weitere Fortsetzungen über die Geheimnisse der Zucht von Diskusfischen!






