Gespräche über der Wasseroberfläche: Praktische Zuchttipps und Erinnerungen an die Legende Jaroslav Kadlec

Artikel teilen

Kann eine gewöhnliche Bananenschale das Überleben von Fischlarven sichern und worin liegt das Geheimnis des Erfolgs tschechischer Torfextrakte? In diesem Artikel verbinden wir biologische Theorien mit jahrzehntelanger Zuchtpraxis. Von der Physiologie der Verdauung von Labyrinthern bis zur Erinnerung an die internationale Legende Jarda Kadlec enthüllen wir Methoden, die in modernen Handbüchern oft fehlen. Entdecken Sie die Tricks der „alten Schule“, die auch in heutigen Aquarien funktionieren.

Das Interview mit Slávkem Boudným und Zdeňkem Dočekalem beschreibt auf fesselnde Weise, wie wir in der heutigen Aquaristik, die von moderner Technik und synthetischen Präparaten überschwemmt ist, oft die Wurzeln unseres Fachgebiets vergessen. Gerade in der Geschichte der tschechischen Aquaristik finden wir den Schlüssel zum Verständnis der Fischökologie, der heute ebenso gültig ist wie vor fünfzig Jahren.

Physiologie der Verdauung und Stoffwechsel

Aus biologischer Sicht ist der Vergleich des Stoffwechsels verschiedener Familien faszinierend. Während einige tetraartige Fische, die konkret in der Diskussion erwähnt werden, Thayeria boehlkei auch als „Hockeyschläger“ bezeichnet, eine spezifische Verdauung aufweisen, haben Fadenfischen und andere Labyrinthfische eine extrem schnelle Passage der Nahrung durch den gastrointestinalen Trakt. Die Erfahrung der Züchter bestätigt, dass die morgens aufgenommene Nahrung bereits nachmittags ausgeschieden wird. Dies erfordert ein spezifisches Regime – Fütterung in kleinen, wiederholten Dosen (bis zu 4x täglich), um eine Nährstoffsättigung auch bei langsameren Individuen im Tank zu gewährleisten.

Von gepufferten Extrakten zur Natur

Für acidophile Arten ist es oft sinnvoll, das Wasser aufzubereiten, insbesondere wenn der Aquarianer neue Individuen züchten möchte. Während man früher auf gepufferte kommerzielle Präparate (z.B. ToruMin mit pH 6,2) oder deren verfügbare tschechische Äquivalente (Torben, Torbex) setzte, war es für anspruchsvolle afrikanische Arten notwendig, noch saurer Werte zu erreichen. Zdeněk Dočekal erwähnt daher im Video, dass für Arten wie der Blaue Kongosalmler (Phenacogrammus interruptus) Wasser direkt aus Torfmooren mit einem pH von etwa 5,0 verwendet wird, das bereits natürliche huminsäurehaltige Substanzen und Gerbstoffe in idealer Konzentration enthält.

Biologische Rolle der Infusorien und Bananenschalen

Eines der bemerkenswertesten Themen des Interviews ist die Verwendung von getrockneten Bananenschalen zur Initiierung von Infusorien (Nahrungsorganismen). Aus mikrobiologischer Sicht handelt es sich um einen kontrollierten Abbau von organischer Materie, die als Substrat für Bakterien dient, von denen anschließend die Mikroorganismen, die die erste Nahrung für den Nachwuchs bilden, leben. Achtung jedoch: Das Wasser darf nicht steril sein, damit sich die Bakterien überhaupt vermehren können.

  • Die Schale muss getrocknet sein und wird etwa 24 Stunden nach dem Schlüpfen des Nachwuchses (beiFadenfischen) ins Aquarium eingelegt.
  • Bei falscher Dosierung droht eine massive bakterielle Zersetzung, die zu einer Trübung des Wassers, Sauerstoffentzug und dem Tod der Fische führt.
  • Über der Schale bildet sich ein sichtbarer weißer „Flaum“ von Infusorien, der es dem Nachwuchs ermöglicht, kontinuierlich Nahrung zu erhalten, auch in Abwesenheit des Züchters.

Verweis auf Jaroslav Kadlec und die Killifischtradition

In der Diskussion wurde die Rolle von Jaroslav Kadlec hervorgehoben, dessen Fachwissen ihm die Mitgliedschaft in der renommierten British Killifish Association (BKA) einbrachte. Sein wissenschaftlicher Beitrag wird im Namen der Art Nothobranchius kadleci gewürdigt.

Nothobranchius kadleci auf der Ausstellung der Killifische in Prag (Foto: Linda Vlachova)

Jaroslav Kadlec war nicht nur Züchter, sondern auch Autor hervorragender Literatur über Killifische und Spitzenfotograf, der unter anderem Labyrinthfische und Regenbogenfische für internationale Organisationen dokumentierte. Gerade durch seinen Einfluss wurde Brünn zum Zentrum der Killifischtradition in der Tschechischen Republik. So können die Teilnehmer der Konferenz Cyperus auf dieser Veranstaltung seltene Arten von Killifischen kaufen oder tauschen.

Umweltveränderungen in der Zucht

Eine interessante Beobachtung ist der Einfluss der Bedingungen in menschlichen Behausungen auf die Zusammensetzung der gezüchteten Arten. Vor der Verbreitung moderner Heiz- und Dämmtechniken ermöglichte die niedrigere Temperatur in Wohnungen (15–18 °C) eine gängige Zucht von Arten wie Schmetterlingsfischen, Kardinälchen oder Danio. Die heutigen überheizten Wohnungen erschweren paradoxerweise die Zucht dieser kältebevorzugenden Fische.

Das gesamte Interview können Sie hier ansehen (bitte aktivieren Sie die Deutsche Untertitel):

Veröffentlicht: 13. Jan. 2026
215
3
Benachrichtigungen für einen neuen Artikel aktivieren