Das Phänomen Apistogramma III: Haltung von Zwergbuntbarschen – Gesundheit, Ernährung und Vermehrung

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Apistogrammas gehören zu den beliebtesten Zwergbuntbarschen überhaupt. Sie bestechen nicht nur durch ihre prachtvollen Farben, sondern auch durch ihr bemerkenswertes Verhalten, die Brutpflege und die vielfältigen Ansprüche der einzelnen Arten. Dieser Text fasst praktische Erfahrungen bei der Haltung, Krankheitsprävention, Aufzucht und Ernährung zusammen und zeigt, warum diese Buntbarsche für Aquarianer so reizvoll sind.

Der letzte Teil zu Das Phänomen Apistogramma - Teil 2: Handbuch zu bewährten Arten und ihrer Zucht

Erkrankungen vermeiden

Grundsätzlich können die Apistogramma-Arten alle für Aquarienfische üblichen Krankheiten bekommen. Mit dem im Februar 2022 in Kraft getretenen Tierarzneimittelgesetz (TAMG) haben sich für die Behandlung von erkrankten Fischen erhebliche Veränderungen ergeben. Tiefgreifende Probleme ergeben sich für die Behandlung von Zierfischen. Denn alle „antimikrobiell wirksamen“ Arzneimittel - also neben Antibiotika nun auch alle gegen Viren, Pilze und Protozoon (Einzeller) wirksamen Arzneimittel wurden verschreibungspflichtig. Der Aquarianer darf sie erst nach einer Untersuchung und Verschreibung durch den Tierarzt anwenden. Der Tierarzt darf aber nur Arzneimittel verschreiben, die eine Zulassung haben. Diese fehlt den bisher im Zoofachhandel frei verkäuflichen Arzneimitteln. Dadurch wurde die Palette der frei verkäuflichen Arzneimittel für Zierfische erheblich verringert. Die Kosten für den Tierarzt möchte ich hier nur andeuten.

Bisher galt der Grundsatz, dass es sinnvoller ist, einer Erkrankung der Fische durch geeignete Pflegemaßnahmen vorzubeugen, um den Fischen den Stress zu ersparen. Dieser Grundsatz hat natürlich weiterhin seine Berechtigung. Jetzt ist es jedoch noch wichtiger, die Besatzgröße dem Becken anzupassen, rechtzeitig Wasser zu wechseln, allgemein überhaupt auf die sinnvollen Wasserparameter zu setzen, bei der Fütterung auf die geeigneten Futtermittel und Mengen zu achten, als im Krankheitsfall vor riesigen Problemen zu stehen. Es wird allein aus praktischen Gründen schwierig sein, in kurzer Zeit einen der seltenen Fischtierärzte konsultieren zu können, ein Rezept und das notwendige Mittel zu erhalten.

Inzwischen werden vom Zoohandel Mitteln angeboten, die Hilfe bei der Behandlung versprechen. Es bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen hiermit gesammelt werden.

In seltenen Fällen zeigen sich an den Körperseiten Geschwüre. Sie brechen regelrecht durch die Hautoberfläche hindurch. Diese Fische sind leider nicht mehr zu retten. Abhilfe schafft eine Haltung in sehr weichem Wasser. Bei Apistogramma-Arten, die auch in härterem Wasser gehalten werden können, konnte ich eine solche Erkrankung bisher nicht beobachten.

Die Vermehrung

Das richtige Wasser und die richtige Wassertemperatur sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vermehrung. Bei der Beschreibung der Arten habe ich angegeben, welchen Ansprüche jeweils gestellt werden. Bei guter Pflege werden wir unsere Tiere eines Tages bei den Brutvorbereitungen antreffen. Aber nicht selten überrascht uns das Weibchen in quittegelber Brutpflegefärbung, weil die Arten gerade in dieser Phase gerne versteckt agieren.

Die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf nimmt einige Tage in Anspruch. Die Zeit ist von Art zu Art verschieden, aber auch von der Wassertemperatur abhängig. Die Larven werden vom Weibchen in verschiedene Gruben  oder andere Deckungen, z. B. eine Wurzel, umquartiert. Wenn sich der Jungfischschwarm erhebt, müssen wir mit der Fütterung beginnen. Ich verwende hierfür Artemia-Nauplien, weil sie bei mir ohnehin anfallen. Feines Tümpelfutter oder Mikrowürmchen sind genauso geeignet. Ich habe es bei einem Apistogramma cactuoides-Weibchen schon erlebt, dass sie Tubifex über den Jungen zerkleinert und über die Kiemenöffnungen verteilt hat.

Die Produktivität steigert sich mit zunehmenden Alter und der Körpergröße.

Das Männchen wird in der Enge des Aquariums häufig nicht in der Nähe der Eier oder der Jungfische geduldet. Wer sicher gehen will, entfernt das Tier, sobald das Weibchen in der unverwechselbaren Färbung auftaucht und zu erkennen gibt, dass die Brutpflege begonnen hat. Bei manchen Arten toleriert das Weibchen das Männchen in einer gewissen Distanz. Mit zunehmender Größe der Jungfische wächst diese Toleranz. Allerdings ist man auch dann nicht sicher, ob noch ein Streit um die Jungen ausbricht. Es kann passieren, dass sich die Eltern regelrecht um die Jungfische prügeln. Dann ist schnelles Eingreifen gefragt.

Das Fischwachstum würde sich bei dichterem Stand der Jungfische in dem begrenzten Raum des Beckens verlangsamen. Deshalb sind häufige Wasserwechsel in dieser Zeit besonders sinnvoll. Leider sind bei vielen Arten die Geschlechteranteile oft uneinheitlich zugunsten eines Geschlechts verschoben. Mit Veränderungen des pH-Wertes und der Wassertemperatur kann versucht werden, dem entgegen zu wirken.

Mir erscheint es nicht notwendig, zur Zucht die oft empfohlenen hohen Wassertemperaturen zu bieten. Ich züchte den überwiegenden Teil meiner Arten bei Raumtemperatur. Mein Fischraum hält 23 °C mit kleinen Schwankungen.

Der Fisch lebt nicht vom Floh allein: Ernährung

Unsere Apistogramma-Arten sind in der Tendenz Kleintierfresser. Sie bevorzugen lebendes Futter, nehmen allerdings auch tiefgefrorene Futtertiere. Geeignet sind Wasserflöhe, Cyclops, Mückenlarven und Tubifex und ähnliches Lebendfutter. Selbst Fliegen holen sie von der Wasseroberfläche. Bei mir bekommen die Apistogramma regelmäßig Artemia-Nauplien, weil ich sie für meine Nachzuchten ohnehin benötige und dann einen Teil an größere Fische verfüttere.

Bei Apistogramma sind immer wieder einmal Darmstörungen zu beobachten. Die betroffenen Tiere ziehen eine längere Kotschnur hinter sich her, die nicht die übliche dunkle Färbung sondern eher durchscheinend wirkt. Diese Verdauungsstörungen können auf ungeeignetes Futter zurückgeführt werden. Am einfachsten werden wir dieser Störung Herr, indem wir ein paar gar nichts füttern und Wasser wechseln. Dann wäre zu hinterfragen, welches Futter oder welche Menge hier Probleme bereitet hat.

Amlacher hat bereits 1958 vor der Verfütterung von Tubifex oder Roten Mückenlarven gewarnt. Diese Warnung hat sich bei vielen Aquarianern festgesetzt und wird von Generation zu Generation getragen. Dieser Hinweis ist jedoch unter heutigen Bedingungen zu relativieren. Amlacher hat als Quelle dieser Futtertiere ausdrücklich auf den Schlamm abwasserbelasteter Gewässer verwiesen. Damit ist heutzutage nicht mehr zu rechnen. Amlacher empfahl, die Mückenlarven einige Zeit in sauberem Wasser zu wässern. Für beide Futterarten gilt diese Empfehlung auch ohne dubiose Herkünfte noch heute.

Ich hatte bereits erwähnt, dass für die Belastung des Wassers neben der im Becken gehaltenen Zahl an Fischen auch die Art und Weise der Fütterung eine Rolle spielt. Es kommt darauf an, nur die Futtermenge zu verabreichen, die innerhalb kurzer Zeit gefressen werden kann. Bremer (1997) wies daraufhin, dass alle Futtertiere nach dem Absterben unmittelbar zerfallen. Dies wird wissenschaftlich als Autolyse bezeichnet. Hier wirken ohne bakterielle Beteiligung die noch vorhandenen Enzyme der Leiche. Tubifex verlieren innerhalb von 24 Stunden auf diese Weise 70 % der Körpermasse, Wasserflöhe 50 % und z. B. Guppys 30 %. Auch wenn eine geringe Auflage Mulm den Fischen gelassen werden sollte, erscheint ein Absaugen der nicht gefressenen Futterreste sinnvoll, um weitere Wasserbelastung zu vermeiden.

Nur ein kleiner Hautlappen
Eine gewisse Bedeutung für die Ernährung hat zudem ein kleiner Hautlappen am Knochen des Kiemenapperates (Epibranchiale). Dieser wird von Wissenschaftlern als epibranchialer Lappen
bezeichnet, der für die Cichliden der Geophagus-Verwandtschaft charakteristisch ist. Dieser Lappen ist mit dichtem Bindegewebe ausgepolstert. Kullander (1989) hat seine wahrscheinlichste Funktion zu erklären versucht. Zieht man die Darstellung von Lüling (1977) und Fiedler (1991) zum entsprechenden Organ des Afrikanischen Knochenzünglers (Heterotis niloticus) heran, mit dem Zoo- und Phytoplankton abgefiltert und eingeschleimt wird, liegt die Mitwirkung des genannten Lappens an der Ernährung der Apistogramma auf der Hand. Der Lappen trennt wirkungsvoll die Mundhöhle vom Schlundraum und soll wohl verhindern, dass die in der Suspension befindliche Nahrung wieder aus dem Schlundraum entweicht. Für erwähnenswert halte ich in diesem Zusammenhang, dass die Lappen paarige Ausstülpungen darstellen, die in ihrer Funktion zusammenarbeiten.

Sehr oft kann man die Apistogramma beim Durchkauen des Bodengrunds beobachten. Man könnte annehmen, dass sie nach Tubifex oder anderen größeren Partikel suchen. Dies werden sie sicherlich auch tun. Aber da ist noch mehr. Ziemek (2011) führt uns in seinem Beitrag sehr anschaulich in den Untergrund, das sogenannte Interstitial. Dieses ist erstaunlich dicht besiedelt. Im Grunde legen sich Algen und Bakterien in einem dünnen Film um jedes Sandkorn. Ziemek spricht davon, dass die Kieselalgen den Brotaufstrich im Supermarkt der Sedimente darstellen. Der Biofilm ist auch von einer Vielzahl tierischer Organismen wie Wimperntierchen, Nematoden, aber auch Kleinkrebse besiedelt. Damit wird deutlich, dass unsere Apistogramma beim Durchkauen des Bodengrundes neben größeren Futterteilen diese Kleinststrukturen nutzen und diese in der Ernährung Bedeutung haben. Ihre Zusammensetzung schwankt saisonal. Zu überlegen ist, ob diese Nahrungspartikel das Immunsystem stärken helfen.

Diese Nahrung wird durch den Detritus ergänzt. Hierbei handelt es ich um die zerfallenden organischen Substanzen in den Gewässern, allgemein als Mulm bezeichnet. Jeder Praktiker kann bestätigen, dass die Fische diese Stoffe aufnehmen und durchkauen.

Hättich & Römer (2018) empfehlen als Substrat bei allen Apistogramma-Arten sehr feinen, nicht scharfkantigen Sand, da die natürliche Form ihrer Nahrungsaufnahme zum Großteil darin besteht, Sand mit dem Maul aufzunehmen, die darin befindliche Nahrung auszusieben, zu schlucken und den Sand wieder durch die Kiemen auszustoßen. Die Autoren erwähnen als wichtigen Nebeneffekt dieser Art der Nahrungsaufnahme die Reinigung von Mundraum und Kiemen, die für die dauerhafte Gesundheit aller Apistogramma sehr wichtig sei. Untersuchungen in dieser Richtung und mit diesem Ergebnis sind mir bisher nicht bekannt. Aber auch dieser Effekt ist bedenkenswert.

Für eine artgerechte Haltung der Apistogramma wäre eine Kies- oder Sandschicht deshalb sinnvoll.

Bei der Ernährung unserer Aquarienfische wird Trockenfutter sehr gerne eingesetzt. Ich habe weiter oben im Zusammenhang mit der Zucht von Apistogramma cacatuoides erwähnt, dass sich die Fische unter bestimmten Bedingungen an Trockenfutter gewöhnen lassen. Insoweit hilft manchmal Futterkonkurrenz durch Guppys oder Platys. Dann ist aber bei der Fütterung Vorsicht geboten, denn Trockenfutter ist sehr kalorienreich. Es besteht die Gefahr, dass die bereits erwähnten Magen- oder Darmentzündungen auftreten. In der Tendenz ist zudem damit zu rechnen, dass die  Tiere verfetten.

Zum guten Schluss

Apistogramma sind bei den Aquarianern beliebt, weil sie sich gut hältern und mit etwas Anstrengung züchten lassen. Zudem bringen sie Verhaltensweisen in die eigene Aquaristik, die sich zu beobachten lohnen. Das Schöne dabei: Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Deshalb kann ich nur empfehlen, es einmal mit ihnen zu versuchen. Aber das haben Sie sich wahrscheinlich schon gedacht, wenn sie bis hierhin mitgelesen haben.
 

Literatur:

  • Amlacher, E. (1958): Krankheiten von Zierfischen. 3. Fortsetzung. II. Spezialteil (einzelne Fischkrankheiten). – AT 5(10): Oktober: 292–296.
  • Bone, Q. & Marshall, N. B. (1985): Biologie der Fische. Fischer, Stuttgart, New York. 236 Seiten.
  • Bremer, H. (1993): Wasser und Futter. Zwei Grundpfeiler der Cichlidenpflege. – Buntbarsch-Jahrbuch: 86–95.
  • Bremer, H. (1997): Gesundes Füttern von Aquarienfischen. – Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. 191 Seiten.
  • Fiedler, K. (1991): Fische. In: Starck, D. (Hrsg.): Lehrbuch der speziellen Zoologie. Band II: Wirbeltiere. Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag, Jena. 498 Seiten.
  • Hättich, F. & Römer, U. (2018): Apistogramma sp. „Rautenband“ – Ein neuer aquaristischer Zwergcichlide aus dem Einzugsgebiet Rio Vaupés. – DCG-Informationen 49 (2): 32–41.
  • Kullander, S. O. (1989): Biotoecus Eigenmann und Kennedy (Teleostei: Cichlidae): Beschreibung einer neuen Art aus dem Einzugsgebiet des Orinoko und überarbeitete Diagnose der Gattung. – Journal of Natural History, 23: 225–260 (nicht eingesehen).
  • Linke, H. & Staeck, W. (1984): Amerikanische Cichliden I. Kleine Cichliden. – Tetra Verlag, Melle. 194 Seiten.
  • Lüling, K. H. (1977): Fische mit knorpeligen Zungen. – A. Ziemsen Verlag. 104 Seiten.
  • McMaster, M. (1977): Über Hobbyarten Apistogramma. – Buntbarsche Bulletin (60): 3–10.
  • Ott, D. (1966): Apistogramma taeniatum. – DATZ 19(2): 7–9.
  • Ott, D. (2023): Rund um den tanzenden sogenannten Gelben Zwergcichliden, Apistogramma borellii (Regan, 1906). – DCG-I 54(2): 30–35.
  • Römer, U. (1998): Atlas der Cichliden: Naturgeschichte der Zwergcichliden Südamerikas. Band 1. – Mergus Verlag GmbH, Melle. 1311 Seiten.
  • Staeck, W. (2003): Südamerikanische Zwergcichliden. Cichliden-Lexikon, Teil 3. – Dähne Verlag GmbH, Ettlingen. 219 Seiten.
  • Ziemek, H.-P. (2011): Interstitielle Fauna und Flora. Sand und Kies… köstlich! – DATZ 64(8): 31–33.
Veröffentlicht: 10. Apr. 2026
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